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Vegan wie Du und ich: Rika #14

Bevor sich das Jahr 2013 dem Ende zuneigt, habe ich noch ein Interview für Euch – diesmal mit Rika:

 

Foto Rika

 

Seit wann lebst Du vegan und was war der Auslöser dafür? Gab es einen Schlüsselmoment oder war es eine Vielzahl von Gründen, die Dich zu diesem Entschluss bewegt haben?

Ich lebe seit ca. September 2012 weitestgehend vegan. Wie ich dazu gekommen bin? Der Ursprung liegt schon darin, wie ich aufgewachsen bin. Bei uns gab es kaum Convenience Food zu essen. Gelegentlich gab es mal eine Tiefkühlpizza oder -lasagne, aber Maggi Fix, Miracoli & Co. kannte ich nur aus den Supermarktregalen und wenn ich bei einer Freundin gegessen haben. Interessanterweise war deren Mutter Hausfrau, von der man ja gewöhnlich denkt, dass sie Zeit dafür hätte, richtig zu kochen. Aber vielleicht hat sie es selbst nie gelernt. Wir haben ländlich/kleinstädtisch gelebt. Ich bin in meiner Kindheit schon acht Mal umgezogen und immer wenn wir „auf dem Dorf“ gewohnt haben, wurden Milch und Eier direkt vom Erzeuger geholt. Wenn wir nachmittags um fünf Uhr beim Bauern standen und uns von den Kühen die Hände haben ablecken lassen, während unsere Milchkanne aufgefüllt wurde, war die Milch noch euterwarm und es wurde direkt ein Kakao daraus gemacht.
Da meine Mutter früh alleinerziehend und berufstätig war, mussten meine zwei Jahre ältere Schwester und ich früh lernen, selbstständig zu sein. Demzufolge waren wir schnell für unsere Ernährung selbst verantwortlich und kümmerten uns auch sehr oft um den Einkauf. Natürlich erledigten wir mit zehn Jahren noch nicht den Familieneinkauf; das steigerte sich mit der Zeit. Aus finanziellen Gründen kauften wir viel bei LIDL und ALDI ein, aber auch hier viel Obst und Gemüse. BIO war zu dem Zeitpunkt nur am Rande in meinem Bewusstsein.

Während meines Studiums in Berlin – auch in dieser Zeit habe ich selbst gekocht – habe ich dann angefangen Bio-Lebensmittel zu kaufen. Wie genau es dazu kam, weiß ich nicht mehr. Ich glaube, ich hatte irgendwo einen Laden von der BioCompany entdeckt und bin aus Neugierde reingegangen. Da wurde ich wohl angefixt. 🙂 Wenn ich im normalen Supermarkt eingekauft habe, habe ich dort praktisch alles, was es von den Bio-Handelsmarken gab, gekauft, den Rest konventionell und ab und zu ein paar besondere Sachen oder Gemüsesorten bei der BioCompany. Als ich dann nach Köln zum Arbeiten gekommen bin, habe ich diese Vorgehensweise fortgeführt, als ich einen Alnatura in der Nähe meines Arbeitswegs entdeckt habe. Nach kurzer Zeit wollte ich nur noch BIO kaufen. Mein damaliger Freund hatte nichts dagegen, solange er sich um nichts kümmern musste. 🙂 Da uns bei einem unserer Samstagseinkäufe im Alnatura einmal die Frische und Auswahl des Gemüses, das wir haben wollten, nicht zugesagt hat, gingen wir auf die gegenüberliegende Straßenseite zu NATURATA, was ein Naturkostfachhandel ist – im Gegensatz zum Bio-Supermarkt. Begeistert von der tollen Qualität und Auswahl im Obst- und Gemüsebereich sowie der wesentlich angenehmeren, familiären Atmosphäre entschieden wir uns sehr schnell, nur noch hier einzukaufen. Hier gibt es „richtiges BIO“, viel Verbandsware und auf gegenseitigem Respekt beruhende, langjährige Partnerschaften mit lokalen Lieferanten. Toll! Das ist für mich BIO und nicht nur ein kleines grünes Label, das die Einhaltung verwässerter EU-Vorgaben garantiert. Demzufolge wurde der Fleischkonsum zwangsläufig reduziert, da BIO-Fleisch nun mal merklich teurer ist. Es war für mich daher schon seit Jahren normal, auch mal wochenlang kein Fleisch zu essen.

Mit den Jahren habe ich mich immer mehr mit der Thematik Ernährung, Lebensmittel, BIO, Tierhaltung etc. beschäftigt und mich in der Konsequenz dann im Mai 2012 dafür entschieden, keine Tiere mehr zu essen. Meine Motivation war und ist dabei: Ich nehme mir nicht das Recht heraus, über das Leben eines anderen Lebewesens zu entscheiden.
Mein jetziger Freund, der selbst bei NATURATA arbeitet und Allesesser ist, wies mich darauf hin, dass ich dann auch keinen Schafskäse mehr essen könne, weil ja die Lämmer auch geschlachtet würden. Analog gilt dann das ganze natürlich auch für Ziegen und Kühe. Ok, sagte ich, dann esse ich auch keine Milchprodukte mehr. Zuerst hielt ich Eier noch für vereinbar, da sie ja nicht ausgebrütet werden. Da hatte ich aber nicht bedacht, dass für den Nachwuchs der Legehennen auch gesorgt werden muss und die männlichen Küken „nicht zu gebrauchen“ sind. Nach dieser Erkenntnis waren auch die Eier gestrichen. Mein Freund beißt sich heute noch in den Hintern, dass letztlich er mich darauf gebracht hat, mich vegan zu ernähren, da er selbst ein Kochmuffel ist. Und wenn er nicht dauernd Pizza essen will, „muss“ er bei mir mitessen. 🙂

Hast du durch die Umstellung eine Veränderung in Dir bemerkt? Auf welchen Ebenen hat sich diese abgespielt?

Ich habe nicht schlagartig gravierende Unterschiede bemerkt, da ich keine Radikalumstellung vorgenommen habe. In der Anfangszeit hatte ich allerdings eine höhere Libido, abgenommen hatte ich vielleicht ein Kilo. Viel mehr hat sich auf seelischer Ebene getan. Ich bin jetzt mehr mit mir im Reinen. Ich hatte ein sehr schönes Erlebnis, das gut beschreibt, was ich damit meine. (siehe Frage 6)

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Umstellung reagiert?

Mein Freund akzeptiert es, hält aber selbst nichts davon.
Die meisten sind neugierig und fragen sehr interessiert nach, wenn ich es zufällig erwähne, weil es gerade in den Kontext passt.
Sprüche kommen gelegentlich mal von männlichen Arbeitskollegen. Wenn sie sich zu sehr häufen, ignoriere ich diese demonstrativ. Das kommt dann schon an, dass es nervt. Ich kommentiere ja auch nicht immer wieder abfällig den Kleidungsstil von jemandem.
Auf der anderen Seite macht sogar der/die ein oder andere auch eine vegane Variante von Kuchen oder Muffins, wenn er/sie Geburtstag hat. Das freut mich immer sehr.
Meine Schwester hatte mit 12 Jahren entschieden, kein Fleisch mehr zu essen, Fisch allerdings aß sie noch. Sie wollte Tierärztin werden und hat dies auch durchgezogen. Ich habe sie bei unserem gemeinsamen Mutter-Töchter-Urlaub in diesem Jahr gefragt, warum sie sich damals für eine pesco-vegetarische Ernährung entschieden habe. Die Antwort: Weil mir die Tiere Leid tun. Daraufhin habe ich sie gefragt, warum sie dann trotzdem Fisch esse. Weil unsere Mutter darauf „bestanden“ habe. Man kennt das ja: Dann iss doch wenigstens Fisch! Seither hatte sie einfach nicht darüber nachgedacht. Ich sehe sie an Weihnachten wider. Mal schauen, ob sie es inzwischen getan hat.
Meine Mutter habe ich durch meine Auseinandersetzung mit der Thematik dazu gebracht, kein Fleisch mehr zu essen, da sie die Umstände in der Massentierhaltung nicht vertretbar findet.
Und eine sehr gute Freundin hat von sich aus probiert, sich vegan zu ernähren, weil sie an mir die positiven Effekte wahrgenommen hat. Meine Haut habe sich verbessert, ich strahle mehr und sei viel ausgeglichener. Das wollte sie auch. 🙂 Sie ernährt sich zwar nun (noch) vegetarisch, aber merkt z.B. jedes Mal, wenn sie Käse gegessen hat, dass ihre Haut sich mit Pickeln rächt.
Ich freue mich über jede/n, die sich – vielleicht erstmals – Gedanken darüber machen, was es alles bedeutet, Tiere und deren „Produkte“ zu essen, nur weil ich erwähnt habe, dass ich das nicht tue.
Ich könnte hier noch mehrere, positive Beispiele nennen.

Hast du Tipps für alle Neulinge, die auch vegan leben wollen?

Überleg dir, was deine Motivation ist und wie schwer diese für dich wiegt. Mach kein Dogma aus dem Begriff „vegan“. Deine Lebensweise sollte für dich schlüssig sein und sich gut anfühlen. Strebe an, es deiner Logik entsprechend so gut es geht umzusetzen und kasteie dich bitte nicht, wenn es dir einmal nicht gelingt. (Einstweilige) Kompromisse sind besser als aufzugeben. Jeder Beitrag zu einer besseren Welt (und sei es nur der unmittelbar „eigenen“) zählt. Sei dafür stolz auf dich!

Welche veganen Gerichte kochst Du regelmäßig? Kochst Du mit Kochbüchern oder eher „freestyle“?

Ich trinke täglich grüne Smoothies. Das fällt zwar nicht unter kochen, aber ist das einzige, was ich regelmäßig mache. Sonst gibt es fast immer etwas anderes. Entweder koche ich mit dem, was gerade da ist, oder ich probiere neue Rezepte aus. Die hole ich z.B. aus den kostenlosen Zeitschriften, die im Naturkostladen oder Reformhaus ausliegen. Die, die mich interessieren, kommen erst mal in eine Zettelsammlung bis ich sie ausprobiert habe. Wurden sie für gut befunden, schreibe ich sie in mein Rezeptebuch. Ich bin zwar bemüht, meinen Konsum generell zu reduzieren. Bei Kochbüchern mache ich das allerdings nicht. Es gibt eine Vielzahl toller veganer Kochbücher. Mein erstes war „Ab jetzt vegan!“ von Gabriele Lendle. Ich habe hieraus schon sehr viel gekocht und fast alles war super lecker! Es gesellten und gesellen sich weitere Bücher dazu und ich habe auch schon wieder einige auf meiner Liste stehen. Luxusproblem: Ich komme mit dem Kochen gar nicht hinterher. 🙂

Was war Dein schönstes/seltsamstes/witzigstes Erlebnis in Bezug auf Deine vegane Ernährungs-/Lebensweise?

Ich stand in der Hamburger City an der Alster und beobachtete die vielen verschiedenen (Wasser-)Vögel. Da kam mir ein Zitat von Franz Kafka in den Sinn, dass ich kurz zuvor in Christian Vagedes Buch „Veg up“ gelesen hatte: „Nun kann ich euch in Frieden betrachten. Ich esse euch nicht mehr.“ Mich hat in dem Moment ein tiefgreifendes Glücksgefühl durchströmt und ein breites Lächeln manifestierte sich auf meinem Gesicht. Wer das Runner’s High kennt, kann nachvollziehen, wie sich das anfühlt. Den Respekt, die Achtung des Lebens und die Toleranz, die ich meinen Artgenossen anstrebe entgegen zu bringen, auf meine Mitlebewesen auszuweiten, macht ein Ganzes daraus. Ich fühle mich nicht (mehr) verloren bzw. empfinde nicht, dass etwas fehlt. 

Wenn Du eine Person nach Wunsch vegan bekochen könntest, wer wäre diese Person (gewesen) und was würdest Du für sie kochen?

Ich bekoche generell sehr gerne andere Menschen. Essen teilen und gemeinsam genießen ist für mich sehr wichtig und macht mir große Freude. Was ich koche, mache ich dabei zum einen von der Jahreszeit/Saison abhängig und davon, was die „zu Bekochenden“ gff. nicht mögen oder vertragen.

Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet  – welche 3 veganen Lebensmittel möchtest Du auf keinen Fall missen?  

Solange es auf der Insel Vegetation gibt, esse ich, was die Natur hergibt, und das ist ja vegan. Fertigprodukte brauche ich nicht. In unserer Nicht-Selbstversorger-Welt esse ich aber gerne das Erdnussmus Crunchy und das Leinöl von Rapunzel sowie das Haselnussmus von Monki.

Gibt es irgendetwas, was Dir noch auf dem Herzen liegt und was Du den Lesern des Blogs, egal ob vegan, vegetarisch oder Allesesser, mitteilen willst?

Mein Motto: Jeder kann tun, was ihn glücklich macht, solange er niemand anderem damit (bewusst) schadet. Eine Maxime, die in unserer aktuellen Welt nicht 100%ig zu erreichen ist, aber nichtsdestotrotz erstrebenswert.
Und JA, es bringt etwas, wenn DU als einzelne/r etwas tust! Und darüber redest. Denn damit stößt du Gedankengänge bei anderen Menschen an.
Wer an Karma glaubt: es kommt alles wieder. Wenn auch nicht immer direkt oder von dort, wo man es vielleicht erwartet hätte, sondern von wo ganz anders. Ich habe die Erfahrung schon sehr oft gemacht. Und das im positiven Sinn. Das macht glücklich. 🙂


Liebe Rika, vielen Dank, dass Du bei meiner Interviewreihe mitgemacht hast! 🙂

Ich schreibe darüber, wie man sich gesund und lecker vegan ernährt, sein Leben und seine Gesundheit grüner gestalten und was man tun kann, um glücklicher zu werden. Ich würde mich freuen, wenn ich Dich mit meinen Beiträgen inspirieren kann. Folge mir in den sozialen Netzwerken oder abonniere meinen Newsletter!

Eine Antwort auf Vegan wie Du und ich: Rika #14

  • Tolles Interview. Ich selbst bin seit Herbst 2012 noch auf dem „Versuchspfad“, habe damals mit „Vegan for fit“ angefangen und habe gleich gespürt, dass es mir viel besser geht. Derzeit bin ich zu 80% vegan, und davon mache ich phasenweise Rohkosttage.
    Sehr viel „Gegenwind“ hatte ich zu Beginn, auch vor allem von der Familie, die sich eher Sorgen machten, weil einfach die Denke immer noch die alte ist.
    Ich finde es immer wieder interessant, wie es offensichtlich zu einer Art „Bewusstseinsveränderung“ kommt, also dass man sich bewusst macht, was den Tieren angetan wird.
    Ehrlich gesagt denke ich nach wie vor, dass man Tiere durch aus essen kann, solange man sie vorher mit Respekt behandelt und nicht in einer grausamen Qual tötet. Doch der Massenkonsum heutzutage hat es leider mit sich gebracht, dass eben auf Masse statt Klasse gesetzt wird.
    Auf lange Sicht bleibe ich bei der veganen Ernährung,
    Bin übrigens neidisch, dass es kein Naturata im Norden gibt 👿 😉

    Familien, die wie bei Rika, so „auf dem Dorf“ aufgewachsen sind, finde ich auch toll, ich selbst bin als Stadtkind aufgewachsen, aber Sommer- wie Winterferien waren immer bei meinen Großeltern (in Serbien auf einem Dorf), wo ich abends mit meiner Oma losgezogen bin, um von den „glücklichen Hühnern“ die frisch gelegten Eier einzusammeln. Auch bei uns gab es die Milch frisch vom Euter, krank wurden wir dadurch nie. Es ist eben ein Unterschied, ob man die lange haltbare Milch im Karton im Supermarkt kauft, oder einfach 2Liter frische Milch beim Bauern,
    Insgesamt denke ich, sollten wir uns wirklich einfach mal Gedanken machen, was für Lebensmittel wir einkaufen, und wo die her kommen.
    Solche Artikel/Interviews sind jedenfalls tolle Beiträge dazu.
    Danke schön 😀

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