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Vegan wie Du und ich: #1 Claire

Nach längerer Abstinenz freue ich mich, dass ich mich heute auf meinem Blog zurückmelden kann und dabei gleich den Start einer Interviewreihe einläuten darf. Mir schwebte schon länger die Idee vor, all die anderen tollen vegan-lebenden Menschen, die ich den letzten Jahren kennengelernt habe – sei es im realen Leben oder virtuell – einmal im Rahmen von Interviews näher vorzustellen.

Wie ich bereits in diesem Post beschrieben habe, finde ich es sehr schade, dass in vielen Köpfen noch immer ein Clichébild eines „typischen Veganers“ im Kopf vorherrscht, nämlich das eines körnerfressenden alternativ-lebenden und -denkenden Menschen, der eher eine Randerscheindung der Gesellschaft ist.

Diese Interviewreihe „Vegan wie Du und ich“ soll genau dieses Bild widerlegen und zeigen, dass sich inzwischen ganz viele „normale“ Menschen inmitten unserer Gesellschaft aus den unterschiedlichsten Gründen für einen veganen Lebensstil entschieden haben. Und dass es „DEN typischen“ Veganer einfach nicht gibt.

Den Anfang macht heute Claire:

 

Seit wann lebst Du vegan und was war der Auslöser dafür? Gab es einen Schlüsselmoment oder war es eine Vielzahl von Gründen, die Dich zu diesem Entschluss bewegt haben?

Ich lebe jetzt seit über einem Jahr vegan und bereue diese Entscheidung in keinster Weise bzw. steht für mich fest, dass ich mich nie wieder anders ernähren möchte. Eigentlich gab es diverse Schlüsselmomente in meinem Leben und ich frage mich auch selber, warum ich erst relativ spät, also mit knapp 26 Jahren den Entschluss gefasst habe. Ich bin auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen und unsere Schweine wurden nach 1–2 Jahren geschlachtet. Ja, und ich war auch auf einem Schlachthof. Aber ich habe als Kind nicht weiter darüber nachgedacht, da meine Eltern immer sehr würdevoll mit unseren Tieren umgegangen sind. Mein Vater hat Pferde vom Schlachthof gekauft, damit sie nicht das gleiche Schicksal, wie die Schweine teilen müssen. Wir haben Katzen von anderen Bauernhöfen gerettet und immer auch Hunde aufgenommen, die vorher kein schönes Leben hatten. Wir waren also immer sehr tierlieb und ich bin es heute natürlich immer noch. Bevor ich vegan wurde habe ich mich sehr mit dem Thema Ernährung auseinander gesetzt (mein Bruder ist Koch). Es ging hierbei natürlich auch um die Massentierhaltung, jedoch auch um die Inhaltsstoffe von diversen Produkten, dies war sozusagen der erste Schritt.
Der nächste war die Fastenzeit. Meine beste Freundin und ich fasten jedes Jahr. Man kann jetzt nicht sagen, dass wir nur noch Gemüsebrühe trinken, aber wir verzichten immer auf Fleisch, Fisch, Schokolade und Alkohol. So auch letztes Jahr. In dieser Zeit ist mir jedoch schon klar geworden, dass ich kein Fleisch & Fisch mehr essen möchte, auch nicht nach dieser Fastenzeit. Ich war nie der große Fleischesser, dafür habe ich Käse und diverse Milchprodukte geliebt. In meiner Kindheit gab es immer die frische Milch vom Bauernhof und selbstgemachten Jogurt. Es hat sich jedoch dann die Frage gestellt, warum werden manche Tiere getötet und andere sind Haustiere, welche wir über alles lieben? Mensch ist Mensch und Tier ist Tier. Man sollte keine Unterschiede machen.
Kurz vor Ende der Fastenzeit lief ein Bericht auf Arte, das Thema hieß „Dürfen wir Tiere essen?“ Ich war immer der Typ, der Bilder von gequälten Tieren nicht ertragen konnte bzw. immer weggeschaltet habe, da mich dies noch tagelang verfolgt hat. An diesem Abend habe ich mir die Reportage und die sehr verstörenden Bilder angeschaut. Tiere in Schlachtanlagen zum Teil nicht richtig betäubt. Tiere mit Todesangst in den Augen. Ich bin nach ca. 3 Sekunden in Tränen ausgebrochen und habe bitterlich geweint. Ich habe mich schlecht und verantwortlich gefühlt, da ich zu dieser Zeit auch ein Konsument war und diese Industrie unterstützt habe. Ich habe mich schuldig gefühlt für jeden Tier, welches gequält wurde. Das Schlimme daran war jedoch, dass ich mich geschämt habe und ich nicht begreifen konnte / wollte, wie Menschen zu solchen Dingen fähig sein können. Und dies beziehe ich nicht nur auf den Mord von Tieren, diese Frage stelle ich mir immer öfter in Bezug auf viele unterschiedliche Themen.
Nach dieser Reportage habe ich den ganzen Abend nachgedacht und zu dem endgültigen Entschluss gekommen, dass ich es nicht mehr mit mir vereinbaren kann tierische Produkte zu konsumieren. Dank des Internets kann man sich auch relativ schnell informieren. Meine Umstellung in Bezug auf die Ernährung verlief innerhalb von ca. 3 Tagen. Nahrungsmittel tierischen Ursprungs oder Produkte mit tierischen Bestandteilen habe ich verschenkt. Kurze Zeit später habe ich mir auch nur noch vegane Pflegeprodukte gekauft etc. Vegan sein ist nicht schwer und ich freue mich, dass immer mehr Leute diesen Schritt machen.

Hast du durch die Umstellung eine Veränderung in Dir bemerkt? Auf welchen Ebenen hat sich diese abgespielt?

Ich kann jetzt leider nicht sagen, dass ich 10kg abgenommen habe, dafür koche & esse ich zu gerne! :-)Und leider gibt es zu viele vegane Versuchungen… aber ich fühle mich besser, positiv jedoch auch nachdenklicher. Es fühlt sich richtig an, was ich tue. Meine Haut ist besser geworden, ich bin seit einem Jahr nicht mehr krank, auch nach dieser relativ krassen Grippewelle in Deutschland. Die wichtigste Veränderung ist jedoch, dass ich ein reines Gewissen habe und das sozusagen kein Blut an meinen Händen klebt. Es gibt immer wieder & mehr kleine Dinge, welche ich noch umstellen möchte, aber dies kommt Schritt für Schritt (z. Bsp. nur noch Fairtrade-Kaffee etc.).

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Umstellung reagiert?

Ich muss sagen, dass ich in diesem Fall keine Probleme hatte. Leider habe ich schon relativ krasse Geschichten gelesen, von Familienstreit etc. Meine Eltern haben es sehr positiv aufgenommen, da sie eh sehr offen sind und mich mit allem unterstützen. Mein Vater beschäftigt sich seitdem auch mit der Frage der Reinkarnation. Wenn ich zu Hause bin koche ich meistens und klar, dann gibt es nur veganes Essen. Beklagt hat sich auch keiner. Zu Weihnachten hat meine Mama für mich veganen Grünkohl gemacht und mein Papa veganes Rotkohl, sehr lecker. Meiner Schwester ist es relativ „egal“. Mein Bruder findet es ein wenig komisch, da er jeden Tag als Koch mit Fleisch und anderen Produkte arbeitet. Er macht seine Witze, aber die sind nicht böse gemeint… davon mal abgesehen hat er für mich auch schon mehrmals vegan gekocht.
In meinem Freundeskreis wurde es auch sehr gut aufgenommen. Klar kommen immer die Fragen warum, was kannst du denn jetzt noch essen etc. Ich habe ihnen alle meine Gründe erzählt und auch das ich weiterhin alles essen kann, damit war das Thema schon geklärt. Kein Streit, keine zerbrochenen Freundschaften, keine Zank in der Familie… also alles wie vorher, nur das ich nun der „Quotenveganer“ in der Familie und im Freundeskreis bin. Damit ist mir auch klar geworden, dass ich eine tolle Familie und wunderbare Freunde haben, die mich und meine Entscheidungen akzeptieren und respektieren. Und ganz ehrlich: Etwas Besseres gibt es nicht!

Hast du Tipps für alle Neulinge, die auch vegan leben wollen?

Nehmt euch die Zeit, welche ihr zur Umstellung braucht. Ob es nun in einer Woche passiert oder ob ihr nun ein paar Monate braucht. Macht euch klar, warum ihr keine tierischen Produkte essen wollt und dann hat man auch keine „Rückfälle“. Ladet eure Freunde zum Essen ein und zeigt ihnen, wie toll die vegane Küche ist. Und das aller Wichtigste: Bleibt positiv!!! Ich habe mich immer von diesen veganen Diskussionsforen ferngehalten, da dort meistens eine sehr negative & aggressive  Grundstimmung herrscht. Ich halte nichts davon sich gegenseitig wg. Kleinigkeiten fertig zu machen und bin auch der Meinung das niemand zu 100% vegan sein kann. Dann müssten wir alle im Wald leben und uns von Tannenzapfen ernähren… Also immer positiv bleiben und dann sollte man mal in Grundsatzdiskussionen hineingezogen werden, einfach ruhig und sachlich bleiben. Veganer haben einfach die besseren Argumente 😉

Welche veganen Gerichte kochst Du regelmäßig? Kochst Du mit Kochbüchern oder eher „freestyle“?

Es gibt zu viele lecker und tolle vegane Gerichte. Ich schaffe es gar nicht alles kochen. Rezepte finde ich meistens im Internet, dort gibt es auch eine Vielzahl an veganen Blogs mit tollen Rezepten. Ich bin aber auch ein Fan von diesen gratis Zeitschriften aus dem Reformhaus oder Alnatura, die haben auch sehr pfiffige Ideen. Nicht immer vegan, aber das kann man schnell ändern. Öfters koche ich nach Rezept, aber gebe dem Gericht dann meine eigene Note. Ich lasse mich sehr gerne inspirieren, ob ich nun über den Wochenmarkt oder durch einen Supermarkt laufe. In der Woche gibt es bei mir eher kalte Küche bzw. Gerichte die schnell gemacht sind z. Bsp. Suppen, Curries. Am Wochenende koche ich mir dann auch schon mal Dinge, welche aufwendiger sind und ich koche sehr gerne für Familie & Freunde. Dann könnte ich den ganzen Tag in der Küche stehen, dass macht mir nichts aus.
Sehr beliebt sind Suppen (gerade wenn es auch so kalt ist) von einer scharfen Kürbissuppe bis hin zu einer leckeren Möhren- oder Misosuppe. Der Favorit von meiner Mama ist meine Tomaten-Spinat Quiche mit Seidentofu. Zu meinen Favoriten gehören auch Curries, viele verschiedene Salate und ich liebe die arabische Küche… Hummus, libanesische Spinatteilchen, CousCous Salat oder auch als süßes Dessert mit Mango… ein Traum. So und jetzt höre ich auf, bevor ich noch ganz ins Schwärmen gerate!

Was war Dein schönstes/seltsamstes/witzigstes Erlebnis in Bezug auf Deine vegane Ernährungs-/Lebensweise?

Oh Gott, ich glaube da gibt es so einige Erlebnisse, obwohl ich erst seit einem Jahr vegan lebe. Komischerweise wurde ich immer gefragt, ob ich auch keinen Fisch esse. Wenn ich keine Milch und Eier essen, dann war es okay, aber Fisch…?! Ich wurde auch schon gefragt, ob ich Mehl essen darf… da war ich dann wirklich sprachlos. Seltsam ist es immer, wenn die Leute leicht aggressiv reagieren und in einem scharfen Tonfall nachfragen, ob ich überhaupt noch etwas essen kann. Klar im Frühling frisches Gras und im Herbst Laub! 🙂

Wenn Du eine Person nach Wunsch vegan bekochen könntest, wer wäre diese Person (gewesen) und was würdest Du für sie kochen?

Ich hätte sehr gerne noch meinen Onkel bekocht, welcher letztes Jahr leider verstorben ist. Ich denke auch er wäre ein absoluter Fan vom veganen Essen geworden, da er schon immer sehr auf eine gesunde Ernährung geachtet hat. Er hat in Bade-Württemberg gewohnt, von daher hätte es entweder vegane Maultaschen oder Spätzle gegeben. Mit einer leckeren Spargelsuppe als Vorspeise und einem fruchtigem Dessert.
Und klar, wäre es super, wenn mir ein toller Mann begegnet und ich auch für ihn in Zukunft kochen könnte. 🙂 

Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet  – welche 3 veganen Lebensmittel möchtest Du auf keinen Fall missen?

Meine Lieblingsschokolade Nirwana Noir von Rapunzel. Das ist eine Zartbitterschokolade mit Trüffelfüllung. Außerdem würde ich viel Obst & Gemüse mitnehmen. Ohne das und leckeren Räuchertofu würde ich eingehen.

Gibt es irgendetwas, was Dir noch auf dem Herzen liegt und was Du den Lesern des Blogs, egal ob vegan, vegetarisch oder Allesesser, mitteilen willst?

Es ist wichtig jedem Menschen und jedem Tier Respekt zu zollen. Man kann nicht jedem Menschen verändern, dass ist einfach nicht möglich, deshalb sind wir Individuen. Aber es wäre schön, wenn die Menschen sich unter einander ein wenig mehr kümmern würden und auch um Ihre Umwelt. Ich weiß auch, dass ich niemanden das Fleischessen verbieten kann, aber ich für mich ist es schon ein Erfolg, wenn jemand über das Essverhalten nachdenkt und kein Fleisch mehr beim Discounter kauft oder einfach nur noch 1 – 2 Mal in der Woche Fleisch isst. Sollten wir somit das System der Massentierhaltung stürzen können, so würde einer meiner größten Wünsche in Erfüllung gehen. Sollte man sich einmal mit der Ernährung auseinander gesetzt haben, dann sieht man erst, was dahinter steckt. Von den geldgierigen Multikonzernen, über Lebensmittelzusätze, Täuschung der Verbraucher und Missbrauch der Tiere.
Allgemein bin ich der Meinung, dass es einfach  nichts bringt, wenn man sich gegenseitig nieder macht. Die Vegetarier sind so schlimm, weil sie immer noch Tierleid unterstützen, die Omnis sind eh die Bösen etc. Klar, aber wir haben es in der Hand den richtigen Weg aufzuweisen und das nicht mit aggressivem Verhalten. Genauso wenig sollte man gleich alle Veganer als „Fanatiker“ etc. bezeichnen, sondern vielleicht mit den Gründen beschäftigen, warum ein Mensch Fleisch & Fisch bzw. jegliche tierische Produkte ablehnt.
Und nun als letzten Punkt möchte ich sagen, dass man sein Glück darin findet, Mensch & Tier zu helfen.  Wenn es nur kleine Dinge sind, wie eine Blutspende, eine Geldspende für ein soziales Projekt oder aktiv im Tierschutz tätig zu sein. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir eine bessere Zukunft schaffen!


Vielen Dank für das Interview, liebe Claire….und, da ich vorhin festgestellt habe, dass Du heute Geburtstag hast:
Alles Liebe & Gute für das neue Lebensjahr! 🙂

 

Ich schreibe darüber, wie man sich gesund und lecker vegan ernährt, sein Leben und seine Gesundheit grüner gestalten und was man tun kann, um glücklicher zu werden. Ich würde mich freuen, wenn ich Dich mit meinen Beiträgen inspirieren kann. Folge mir in den sozialen Netzwerken oder abonniere meinen Newsletter!