Vegan wie Du und ich: Dominique #10

Ich hoffe, Ihr seht es mir nach, aber nach den vielen spannenden Interviews hatte ich Lust, auch mal selber Rede und Antwort zu stehen, zumal mein „Über mich“ doch noch Raum für Fragen offen lässt!
Somit ist also Interview Nr. 10 mit mir! ;-)

Thailand 183


Seit wann lebst Du vegan und was war der Auslöser dafür? Gab es einen  Schlüsselmoment oder war es eine Vielzahl von Gründen, die Dich zu diesem Entschluss bewegt haben?

Den genauen Zeitpunkt meiner Umstellung auf eine vegane Ernährung kann ich eigentlich gar nicht mehr genau festlegen, aber es war in etwa vor knapp 3 Jahren. Davor habe ich bereits ca. 1,5 Jahre vegetarisch gelebt, und der Übergang zu einer veganen Ernährung war dann fließend.
Für meine Umstellung gab es definitiv einen Auslöser, der allerdings (leider) nicht ethischer sondern erstmal nur gesundheitlichen Natur war.
Denn seitdem ich Anfang 20 war, ging es mir gesundheitlich nicht so gut. So hatte ich u.a. ich ständig starke Schmerzen in meinen Beinen, war energielos und hatte schlechte Haut. Nach einer langen Odysee durch sämtliche Bereiche in der Schulmedizin hatte ich irgendwann einfach keine Lust mehr auf Diagnosen wie „Damit müssen sie jetzt leben“, so dass ich selber angefangen habe, zu recherchieren.
Dabei bin ich zuerst auf die heilsame Wirkung von Rohkost gekommen. Da es sich dabei meist um vegane Rohkost handelte, war das auch das allererste Mal, dass ich überhaupt in Berührung mit dem Thema „vegan“ gekommen bin. Und von da an habe ich alles Mögliche gelesen und aufgesogen, was mir so dazu in die Hände gefallen ist: angefangen von dem Buch “Die Ph-Formel”, Kris Carr´s Blog bis hin zur „China Study“ oder dem Buch „Food Revolution“. Nach dem Lesen dieser und vieler anderer Informationen stand für mich fest, dass ich, um gesund zu werden, einfach keine tierischen Lebensmittel mehr essen konnte.
Quasi parallel mit der Erkenntnis über die schädlichen Wirkungen von tierischem Eiweiß auf die menschliche Gesundheit habe ich dann erst richtig erfahren, welche Schäden die Massentierhaltung auch auf unsere Umwelt und unser Klima hat. Und es ist mir leider auch erst damals richtig bewusst geworden, was für eine schlimme Tierquälerei damit verbunden ist und dass letztendlich hinter jedem Tier ein Lebewesen steckt, das einfach nur leben will.

Hast du durch die Umstellung eine Veränderung in Dir bemerkt? Auf welchen Ebenen hat sich diese abgespielt?
Ja, auf jeden Fall, sowohl physisch als auch psychisch.
Körperlich war es noch nie so einfach für mich wie jetzt, mein Gewicht zu halten, und das, obwohl ich eher unregelmäßig Sport treibe und ich auch nicht wenig esse. Die 5-8 Kilo, die ich jahrelang zu viel mit mir rumgetragen habe, sind jetzt einfach konstant weg. Die Schmerzen in meinen Beinen sind zu 99% verschwunden, meine Haut ist besser geworden, ich habe mehr Energie als früher und werde nicht mehr so schnell müde.
Psychisch habe ich das Gefühl, dass ich vielmehr mit mir im Reinen bin, allein schon weil ich weiß, dass ich mit meiner Ernährungsweise so wenig wie möglich Leid verursache.
Und ich bin irgendwie auch selbstbewusster geworden, denn dadurch, dass man als Veganer nunmal leider oft noch einen Exotenstatus hat, lernt man automatisch, sich mit seiner Meinung zu behaupten und gegen den Strom zu schwimmen.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Umstellung reagiert?
Ganz unterschiedlich. Für meinen Vater, der Franzose ist, war es am Anfang sicherlich nicht ganz einfach, zu akzeptieren, dass seine jüngste Tochter auf einmal auf den größten Teil der französischen Spezialitäten verzichtet. Inzwischen wird er aber allein schon aus gesundheitlichen Gründen auch immer offener für die ganze Thematik und nimmt schon seit längerem am Morgen für sein Müsli Hafermilch! ;-)
Meine Mutter war am Anfang auch ein wenig skeptisch, zumal sie einfach an vielen traditionellen Familienrezepten hängt. Aber inzwischen kocht sie unter der Woche für meinen Vater und sich hauptsächlich vegetarische und manchmal auch vegane Gerichte. Zudem berichtet sie mir regelmäßig von den neuesten veganen Produkten im Supermarkt, die sie entdeckt hat oder über Zeitungsartikel, in denen es um das Thema “vegan” geht.
Mein Freund, der bevor wir uns kennenlernten nach eigener Aussage eher ein „Atkins“-Jünger war (soll heissen, dass es schon zum Frühstück Fleisch gab….!), ist inzwischen auch so weit von der rein pflanzlichen Ernährung überzeugt, dass er zu Hause auch so gut wie vegan lebt. Auch wenn er noch selten ein wenig Fleisch und ab und zu ein paar Eier und Käse isst, unterstützt er mich sehr in meiner Ernährungsweise und kann die Gründe für meine Entscheidung voll und ganz nachvollziehen.
In meinem Freundeskreis waren die Reaktionen ganz unterschiedlich: viele interessieren sich überhaupt nicht für das Thema, manche schauen ab und zu mal auf meinem Blog vorbei und wieder andere erzählen mir stolz von den Änderungen, die sie selbst schon umgesetzt haben.
Alles in allem kann ich sagen, dass es mir in meinem engeren Familien- und Freundeskreis halbwegs leicht gemacht wird. Ich habe zwar weiterhin den „Exotenstatus“, aber man bemüht sich doch sehr, mich zu unterstützen und das ein oder andere selber auszuprobieren.

Hast du Tipps für alle Neulinge, die auch vegan leben wollen?
Ja! Selber recherchieren, viele Bücher und Blogs zum Thema lesen, Dokumentarfilme anschauen, Gleichgesinnte sowohl online als auch in der Realität treffen und ganz wichtig: Kochbücher kaufen! Kein Witz: Aber wenn man erstmal sieht, was man alles essen kann und wie kreativ die vegane Küche ist, verliert man jegliche Angst vor der Umstellung.
Das erste Mal richtig bewusst geworden ist mir das bei meinem 2-monatigen Besuch in Kanada vor 3 Jahren, wo es damals bereits eine sehr große Auswahl an veganen Koch- und Backbüchern gab. Als ich in der Buchabteilung ein eigenes, großes Regal mit der Beschriftung „vegan“ sah, bin ich ausgerastet vor Freude!
Inzwischen kann man sich auch in den deutschen Buchabteilungen freuen, denn auch hier gibt es nun eine stetig wachsende Zahl an veganen Koch- und Backbüchern, die auf den Markt kommen.
Nehmt Euch also einfach mal einen halben Tag Zeit und geht am besten in eine Buchhandlung mit einer grossen Auswahl. Dann schnappt Euch einen Stapel Bücher, schaut Euch die Rezeptbilder an und kauft Eure Favoriten. Und dann nachkochen, probieren, staunen und sich freuen! :-)

Welche veganen Gerichte kochst Du regelmäßig? Kochst Du mit Kochbüchern oder eher „freestyle“?
Offengesagt sind viele meiner „Freestyle-Experimente“ schon öfters in die Hose gegangen, so dass ich irgendwann beschlossen habe, fast nur noch nach Rezept zu kochen. Hier habe ich allerdings das Luxusproblem, dass ich mit dem Kochen gar nicht hinterherkomme, da ich inzwischen an die 30 Kochbücher im Schrank stehen habe und dazu fast täglich neue Rezepte im Internet entdecke, die ich auch unbedingt nachkochen will.
Die Klassiker, die sogar inzwischen regelmäßig für Familienessen geordert werden, sind u.a. der Linsenbraten, mein Salat mit der vielgerühmten Feigen-Senf-Salatsauce (Rezept folgt bald!) und Schoko-Zucchini-Muffins.

Was war Dein schönstes/seltsamstes/witzigstes Erlebnis in Bezug auf Deine vegane Ernährungs-/Lebensweise?
Mein schönstes Erlebnis, das ich in Bezug auf meine vegane Lebensweise hatte, war vor drei Jahren das Treffen mit einem kanadischen Bekannten meines Bruders, der mit seiner Familie in Vancouver lebt. Ich kannte Hans bis dato gar nicht und wusste eigentlich nur über meinen Bruder, dass er angeblich ein „Hardcoreveganer“ sein würde. Er hatte ihn allerdings seit dem letzten Treffen auch jahrelang nicht mehr gesehen und gesprochen.
Als ich während meines Aufenthaltes in Vancouver zu ihm und seiner Familie zum Essen eingeladen wurde, habe ich mich natürlich besonders darüber gefreut, vor allem weil ich als “frischgebackene” Veganerin dachte, dass es gerade bei ihm zu Hause kein Problem für mich geben würde.  Als er mich dann am Bahnhof abgeholt hat, meinte er jedoch direkt zu mir: „My wife is preparing a fish dish. I hope you like fish?“, worauf ich ihn wohl ziemlich entsetzt angeschaut haben muss!
Im Gespräch kam dann raus, dass er seit ein paar Jahren seiner Familie zuliebe auf eine vegane Ernährung verzichtet hatte, u.a. weil seine Frau aus Südamerika kam und auf eine Ernährung mit Fleisch grossen Wert legte. Als er dann von mir gehört hat, dass ich vegan leben würde, war er ganz begeistert, weil er sich auch niemals besser gefühlt hatte als zu seiner Zeit als Veganer.
Naja, im Endeffekt war es dann so, dass ich ihm und seiner Frau von den Vorzügen so vorgeschwärmt habe, dass sich seine Frau gleich das Buch „The Kind Diet“ von Alicia Silverstone gekauft hat. Hans lebt seitdem wieder vegan und seine Frau lässt auch immer mehr tierische Produkte für sich und ihre Kinder weg.
Mich hat dabei sehr berührt, dass ich ihn mit meinem Besuch dazu bringen konnte, wieder zur veganen Ernährung zurückzukehren.

Wenn Du jemanden vegan bekochen könntest, wer wäre diese Person (gewesen) und was würdest Du für sie kochen?
Eigentlich macht es mir Spaß, alle möglichen Leute zu bekochen, die noch nicht wirklich Ahnung darüber haben, wie vielseitig die vegane Küche ist. Der ungläubige Blick, dass Muffins aus geriebenen Zucchini und Schokolade und ganz ohne Ei trotzdem so gut aufgehen und dann auch noch schmecken, ist einfach super!
Aber wenn ich es mir momentan aussuchen könnte, würde ich gerne einmal mittags in der Kantine des Unternehmens, bei dem ich arbeite, meine vegane Gulaschsuppe anbieten. Wobei das ehrlich gesagt die Gulaschsuppe meines Freundes ist, denn ich habe die noch nicht so gut hinbekommen wie er!
Ja, und dann würde ich gerne mal den fleischliebenden Kollegen diese Suppe vorsetzen, am besten ohne vorher anzukündigen, dass sie fleischfrei ist.
Und am Ende dann die Bombe platzen lassen…! ;-)

Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet  – welche 3 veganen Lebensmittel möchtest Du auf keinen Fall missen?
Da ich davon ausgehe, dass es auf der Insel Bananenpalmen gibt (s. Bild oben!! ;-) ), würde ich Hafermilch, dunklen Kakao und Chiasamen mitnehmen. Dann könnte ich zum Frühstück, Mittag- und Abendessen immer wieder Schoko-Chia-Haferbrei mit Banane essen!

Gibt es irgendetwas, was Dir noch auf dem Herzen liegt und was Du den Lesern des Blogs, egal ob vegan, vegetarisch oder omnivor, mitteilen willst?
Erstmal möchte ich mich an dieser Stelle nochmal bei den ersten neun Interviewten für ihre Teilnahme bedanken. Ihr wart einfach toll, und es ist Euch und Euren ehrlichen und authentischen Antworten zu verdanken, dass es eine so tolle Resonanz auf die Serie gibt! :-)

Die Vegetarier möchte ich fragen: Was ist bitte noch so toll an Milch und Eiern?

Und die omnivoren Leser wollte ich bitten, sich die Rede von Philip Wollen anzuschauen und sich einmal auf das „Experiment vegan” einzulassen, und wenn es auch nur für ein paar Wochen ist. Und dann schaut mal, wie Ihr Euch fühlt und was in der Zeit mit Euch passiert. Denn solange man etwas noch nicht ausprobiert hat, kann man sich auch eigentlich kein Urteil darüber erlauben, oder?!

So, damit sind die ersten 10 Interviews erstmal abgeschlossen!
Aber keine Angst, die Reihe wird es auch in Zukunft weiterhin geben, nur dann werden die Interviews in größeren Abständen und abwechselnd mit anderen Blogbeiträgen erscheinen.

Übrigens, wer vegan lebt und auch Lust hat, mitzumachen, melde sich bitte bei mir unter info (ät) greensoul.de.

 

Vegan wie Du und ich: Katrin #9

Katrin ist die Neunte in der Runde, die ich interviewen durfte:

 

Seit wann lebst Du vegan und was war der Auslöser dafür ? Gab es einen  Schlüsselmoment oder war es eine Vielzahl von Gründen, die Dich zu diesem Entschluss bewegt haben?
Ich hatte als Jugendliche, etwa mit 12 schon mal eine Phase, in der ich kein Fleisch essen wollte. Ich kann mich heute nicht mehr an den genauen Grund erinnern, wahrscheinlich war es einfach die jugendliche Ablehnung gegen das Normale. Damals konnte ich mein Vorhaben aber nicht umsetzen. Irgendwo im Essen war immer Fleisch drin, aber im Nachhinein muss ich zugeben, dass der Wille nicht wirklich da war.
Jetzt ernähre ich mich seit September 2010 vegan. Der Übergang von der omnivoren bis hin zur veganen Ernährung war fließend und hat nur wenige Tage gedauert. Auslöser war mein Freund Daniel, der sich vor mir mit dem ethischen Aspekt auseinandersetzte. Erst fand ich es übertrieben, da wir zu diesem Zeitpunkt ca. 2-3x pro Monat Fleisch und 1-2x pro Monat Fisch aßen, also wirklich selten. Der “Verzicht” auf Fleisch war aufgrund meines geringen Konsums sehr einfach. Keine Milchprodukte mehr zu essen schon schwieriger. Ein Großteil meiner Ernährung bestand damals aus Milch, Magerquark, Käse und Buttermilch.
Ich fing ebenfalls an mich mit dem Thema auseinander zu setzen und las “Eating Animals”, besser: ich verschlang es. Bereits nach der Einführung war mir klar, dass ich kein Fleisch mehr essen könnte, und zwei Kapitel später war mir auch der Appetit auf Eier und Milchprodukte vergangen.
Heute kann ich gar nicht verstehen, warum ich so lange für diesen Schritt gebraucht habe. Ich habe Ernährungswissenschaften studiert und die Praktiken in der Massentierhaltung wie das Kupieren der Schwänze und Schnäbel und das Kastrieren der männlichen Ferkel wurde von den Dozenten als völlig normal hingestellt, und leider habe ich es nie hinterfragt.
Der Schritt zum “veganen Leben” hat noch ein paar Monate länger gedauert, denn ich habe noch eine Zeitlang nicht-vegane Kosmetika und in der Anfangsphase noch ein Paar Lederschuhe gekauft. Mir haben einfach die Alternativen gefehlt. Damit ist aber schon lange Schluss. Positiver Nebeneffekt: ich konsumiere insgesamt weniger!

Hast du durch die Umstellung eine Veränderung in Dir bemerkt? Auf welchen Ebenen hat sich diese abgespielt?
Seit ich mich vegan ernähre kenne ich kein Mittagstief mehr. Wenn ich meinen Teller mit dem meiner Kollegen vergleiche esse ich doch mehr als die Meisten. Trotzdem fühle ich mich nach der Pause nicht mehr so müde wie früher. Und auch schwere Beine nach langen Läufen kenne ich kaum noch. Ob das aber an fehlenden tierischen Lebensmitteln oder einfach an meinem gestiegenen Konsum von Obst und Gemüse, an meiner besseren Lebensmittelauswahl oder einfach daran liegt, dass ich nach harten intensiven Trainingseinheiten schnell etwas Kohlenhydrat- und Proteinreiches zu mir nehme weiß ich nicht.
Außerdem esse ich bewusster, gebe mehr Geld für Lebensmittel aus (weil ich andere Lebensmittel einkaufe, und nicht weil vegan teurer ist!) und achte noch mehr darauf, dass Lebensmittel bei mir zu Hause nicht schlecht werden.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Umstellung reagiert?
Ideal war natürlich, dass Daniel und ich diese Umstellung praktisch zeitgleich durchgemacht haben. Mein Umfeld hielt das erst einmal für eine Phase, die irgendwann wieder vorbei ist. Mittlerweile ist aber allen klar, dass das keine vorübergehende Erscheinung ist. Mir ist keine Ablehnung begegnet, aber meine Entscheidung wurde häufig kritisch hinterfragt. Und natürlich gab es Bedenken, ob mir denn nichts fehlen würde. Darauf gibt es von mir mittlerweile die Rückfrage, ob ich denn so aussehen würde als ob mir etwas fehlen würde. Alternativ argumentiere ich mit dem Sport: sollte mir wirklich etwas fehlen – könnte ich dann bis zu 80 Kilometer die Woche laufen, und allein im vergangenen Jahr 4 Marathons? Wahrscheinlich nicht.
Seit der Veganismus und die vegane Küche auch die Massenmedien erreicht hat gibt es verstärkt interessierte Fragen, ob ich denn schon dies kennen würde oder jenes schon mal probiert hätte. Das zeigt mir, dass ich anscheinend positiv mit dem Thema umgegangen bin und mein Umfeld nicht verschreckt habe.

Hast du Tipps für alle Neulinge, die auch vegan leben wollen?
Lass am Anfang nicht einfach Fleisch & Milchprodukte weg, sondern schau dir an, wo bisher dein Schwerpunkt bei deiner Ernährung gelegen hat und recherchiere, wie du die enthaltenen Nährstoffe ohne tierische Lebensmittel bekommst. Aber: von ein oder zwei Wochen einer neuen Ernährungsweise bekommt niemand einen Mangel an Eisen, Eiweiß oder auch nicht an Vitamin B12.
Lerne auf deinen Körper zu hören – der sagt dir nämlich, was du brauchst. Leider haben viele verlernt, auf den eigenen Körper zu hören.
Gib dir Zeit – der Schritt zum Veganismus ist meist eine Entwicklung. Und die läuft nicht innerhalb von einer Woche ab. Das ist auch nicht schlimm. Immerhin hast du in der Regel viele Jahre tierische Produkte gegessen, sie gehören zu deiner Kultur. Es ist nur selten möglich, innerhalb von wenigen Tagen das Gelernte und Gelebte über den Haufen zu werfen. Ist die Entscheidung, keine tierischen Produkte mehr zu kaufen, zu essen und zu konsumieren erst einmal gefallen, ist ein wichtiger Schritt gemacht.
Lass vor deiner Umstellung dein Blut untersuchen. Nicht weil ich denke, dass ein Mangel vorprogrammiert ist, aber ein Vorher-Nachher-Vergleich kann interessant sein – und dir zukünftig einige Diskussionen ersparen. Ich ärgere mich, dass ich das damals nicht noch gemacht habe.

Welche veganen Gerichte kochst Du regelmäßig? Kochst Du mit Kochbüchern oder eher „freestyle“?
Sowohl als auch. Die meisten Inspirationen hole ich mir aus dem Internet, aber einige Kochbücher stehen natürlich auch bei uns im Regal. Oft werden die Gerichte nach einigen Malen abgewandelt, verfeinert, verbessert, auf unsere Bedürfnisse angepasst. Ich esse gerne alles was irgendwie mit Kichererbsen zu tun, Tempeh, rote Linsen, Soßen mit Tahini oder Misopaste, Pasta aus Maismehl, scharfe Thai-Curries mit Kokosmilch und Zitronengras, gefüllte Wraps, selbstgemachtes Pesto, Spinat, Brokkoli und vieles mehr. Gekocht wird so abwechslungsreich und saisonal wie möglich, auch wenn ich in puncto Saisonalität noch viel lernen kann.

Was war Dein schönstes/seltsamstes/witzigstes Erlebnis in Bezug auf Deine vegane Ernährungs-/Lebensweise?
Spontan fällt mir etwas aus unserem USA-Urlaub ein: Wir waren vor einigen Wochen in New York und wollten uns mittags an einem Falaffel-Stand ein Falaffelsandwich holen. Die Aufschrift “100% vegetarian” hat uns trotz der langen Schlange angezogen. Als wir an der Reihe waren bestellte Daniel zwei Falaffelsandwiches ohne Joghurtsoße. Der Betreiber der Bude guckte uns an und sagte “No joghurt, only tahinidressing, everything 100% animal free”. Wir waren so begeistert, das Falaffelsandwich war das beste meines Lebens und mit 4 Dollar auch mit Abstand das günstigste Essen in New York.

Wenn Du jemanden vegan bekochen könntest, wer wäre diese Person (gewesen) und was würdest Du für sie kochen?
Mir fällt keine bestimmte Person ein, und auch kein bestimmtes Essen. Vielleicht würde ich generell mal den omnivoren Personen etwas kochen, die immer meinen vegan würde nicht schmecken, wäre langweilig und eintönig. Was es dann geben würde? Das müsste ich spontan entscheiden. Als Nachtisch aber bestimmt irgendwas mit Schokolade.

Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet  – welche 3 veganen Lebensmittel möchtest Du auf keinen Fall missen?
Frisches, gekühltes Kokoswasser, Mangos und Pitayas (auch Drachenfrucht genannt).

Gibt es irgendetwas, was Dir noch auf dem Herzen liegt und was Du den Lesern des Blogs, egal ob vegan, vegetarisch oder omnivor, mitteilen willst?
Such dir bei deinem Vorhaben Gleichgesinnte. Das motiviert enorm. Wenn du sie in deinem näheren Umfeld nicht findest, dann bestimmt in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Google+. Insbesondere seit wir unseren Blog beVegt schreiben habe ich viele Leute “in echt” kennen gelernt, die ich erst nur “online” kannte, und bin bisher nur auf sehr nette Menschen getroffen. Ich hatte nie den Eindruck, dass man sich fremd sei, weil gleiche Interessen von Anfang an vorhanden waren. Ein tolles Gefühl!
Außerdem möchte ich mich natürlich bei dir, liebe Dominique, bedanken, dass du auch an mich gedacht hast! Schöne Serie mit interessanten Menschen, die du ins Leben gerufen hast!

Sehr gerne! :-)
Aber DIR auch nochmal vielen Dank, liebe Katrin, dass Du mitgemacht hast! :-)  

 

Vegan wie Du und ich: Leoni #8

Da ich ein Freund von runden Sachen bin, habe ich beschlossen, die “10 voll zu machen” und noch drei weitere Interviews folgen zu lassen!
Die Reihe “Vegan wie Du und ich” wird es dann zwar weiterhin als festen Bestandteil auf meinem Blog geben, jedoch werden die Interviews in unregelmäßigeren Abständen erscheinen.

Unter den ersten zehn Personen, die ich interviewen durfte, ist auch Leoni:

Foto Leoni


Seit wann lebst Du vegan und was war der Auslöser dafür? Gab es einen  Schlüsselmoment oder war es eine Vielzahl von Gründen, die Dich zu diesem Entschluss bewegt haben?
Seit Anfang 2011 lebe ich vegetarisch und kochte immer mehr vegan und habe auch mit der Zeit nur noch vegane Kosmetik- und Pflegeprodukte gekauft. Wer sich aus Empathie dazu entscheidet vegetarisch/vegan zu leben, der erkundigt sich über Tierrechtsfragen und Themen rund um den Tierschutz. So entwickelte ich mich also von einer omnivor-lebenden Frau zur Vegetarierin, bis letztlich seit Ende 2012 zur Veganerin.
Eine Schlüsselfrage, die ich mir stellte, bevor ich mein Leben „veganisierte“ war: „Kann ich mich Tierfreund nennen, meine drei Kaninchen (http://www.ninstuff.de ) lieben, pflegen und versuchen ein artgerechtes Leben zu bieten, wenn ich zeitgleich mit meinen Lebensgewohnheiten so vielen anderen Tieren täglich schade und es erlaube, ihnen Leid zuzufügen?“ – Nein, das ist ein Widerspruch! Also stand die Entscheidung fest.Wenn mich also jemand fragt, wie ich darauf komme, nun vegan zu leben und ich gerade keine Lust  habe auf Grundsatzdiskussionen über „artgerechte Haltung von Tieren und den Bio-Tieren geht’s doch gut-Diskussionen“ zu führen, antworte ich: “Das habe ich meinen Kaninchen zu verdanken!“ :-)

Hast du durch die Umstellung eine Veränderung in Dir bemerkt? Auf welchen Ebenen hat sich diese abgespielt?
In der Zeit der Umstellung benötigt man definitiv mehr Zeit im Supermarkt :-) , um alle Inhaltsstoffe zu prüfen und tierische Produkte auszuschließen, was mir persönlich aber auch total viel Spaß bereitet – Stöbern in Supermarktregalen ist das Größte :-) .
Man isst bewusster! Man fühlt sich fit!
Gesundheitliche positive Nebeneffekte: Seit Jahren war ich wegen Hypertonie in Behandlung mit medikamentöser Therapie. Seit ich komplett vegan lebe, reguliert sich der hohe Blutdruck von selbst und nun bin ich auf keine Tabletten mehr angewiesen, meine Blutdruckwerte sind im Normbereich. Einige Körpergewicht-Kilos purzelten schon bei mir, was sich natürlich mit auf die Blutdrucksituation auswirkt und allgemein für die meisten Frauen positiv ist.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Umstellung reagiert?
Die meisten aus meinem engen Bekannten- und Verwandtenkreis reagierten relativ neutral. Keine Diskussionen, keine Ausredungsversuche!
Allerdings traf auch ich auf die typischen Kommentare wie z.B. „Nicht, dass du bald an Eiweiß- und Eisenmangel leidest.“ „Bekommst du überhaupt genug Vitamin D?“ „Was willst du denn an Weihnachten dann essen?“

Hast du Tipps für alle Neulinge, die auch vegan leben wollen?
Ja. Lest viele Blogs im Internet zum Thema Veganismus (und Tierschutz). So viele tolle Ratschläge, wie im Internet zu finden sind, habe ich gar nicht parat. 

Welche veganen Gerichte kochst Du regelmäßig? Kochst Du mit Kochbüchern oder eher „freestyle“?
Ich probiere mich gerne am Herd aus und poste auch regelmäßig meine Rezepte in meinem Blog.
Gerne koche ich aber auch Rezepte aus Büchern oder anderen Blogs nach. Die Rezepte werden jedoch fast nie 1:1 übernommen, sondern hier und da mal nach Geschmack abgeändert. Ich probiere lieber viele verschiedene und auch neue Rezepte aus. Oft gibt es Gemüsecurrys oder Salate mit Sojajoghurt als Beilage und manchmal auch „Fertig-Food“ :-) .

Was war Dein schönstes/seltsamstes/witzigstes Erlebnis in Bezug auf Deine vegane Ernährungs-/Lebensweise?
Ich finde es immer wieder schön, dass Rücksicht genommen wird und sich ein Gastgeber vollkommen selbstlos in mehr Arbeit stürzt, nur damit ich auch am gemeinsamen Essen teilnehmen kann. Außerdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich neue vegane Produkte entdecke, von denen ich teilweise gar nicht erwarte, dass sie vegan sein könnten.
Eine witzige Frage, die mir vor Kurzem noch gestellt wurde, war: „Und das Abnehmen klappt trotz veganer Ernährung?“;-) .

Wenn Du eine Person nach Wunsch vegan bekochen könntest, wer wäre diese Person (gewesen) und was würdest Du für sie kochen?
Ich koche gern für Skeptiker der veganen Küche und freue mich, wenn es denen dann auch schmeckt. Alltäglich bekoche ich meinen Lebensgefährten, der meine manchmal schrägen Kochversuche immer probiert und komischerweise trotzdem noch mit mir zusammen lebt ;-) .

Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet  – welche 3 veganen Lebensmittel möchtest Du auf keinen Fall missen?  
Orinoko, Brot und Wilmersburger Scheiben. Ich weiß ja nicht, wie lange ich auf der Insel bleiben müsste, aber vermutlich würde ich verdursten, aber das Brot mit den Wilmersburger Scheiben, oder mit Orinoko würde mich wenigstens sättigen.

Gibt es irgendetwas, was Dir noch auf dem Herzen liegt und was Du den Lesern des Blogs, egal ob vegan, vegetarisch oder Allesesser, mitteilen willst?
Es ist wichtig, dass Veganer eben nicht mehr dieses Bild vom „Körnerfressenden Studenten mit Ökolatschen“ vermitteln.
Doch um mal nicht nur gegen die omnivor lebenden Menschen zu hetzten, muss ich sagen, dass wir – Veganer wie Du und ich – auch etwas dafür tun müssen, dieses Image zu verbessern. Es wäre ein Anfang, nicht übermäßig aufdringlich auf unsere Mitmenschen einzureden, nur weil sie (noch) nicht vegan leben. Bezieht sie lieber in den veganen Alltag mit ein und zeigt, wie toll es ist, vegan zu leben. Auch wenn es die Passion eines Jeden von uns ist, den Veganismus zu verbreiten- bitte ohne große Überredungskunst und ohne jegliche Aggressivität.
Jedem omnivoren Leser empfehle ich, mal einen Selbsttest zu machen, wie eine vegane Lebensweise für einen gewissen Zeitraum möglich wäre und diese Testphase dann im Anschluss zu analysieren und Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die nicht nur den eigenen Lebensweg evtl. positiv verändern – sondern vielleicht auch Leben retten!

Vielen Dank, dass Du mitgemacht hast, Leoni! :-)

 

Vegan wie Du und ich: Daniel #7

Nun kommt mit Daniel auch mal wieder ein Mann, der zeigt, dass man(n) auch als Veganer ausgesprochen leistungsfähig sein kann! (Oder vielleicht gerade deshalb…?!)


Seit wann lebst Du vegan und was war der Auslöser dafür? Gab es einen  Schlüsselmoment oder war es eine Vielzahl von Gründen, die Dich zu diesem Entschluss bewegt haben?

Ich habe am 15. August 2010 das letzte Schnitzel meines Lebens gegessen. In den Monaten zuvor war ich immer mal wieder mit dem Thema vegetarische/vegane Ernährung in Kontakt gekommen – insbesondere über den amerikanischen Blog “No Meat Athlete”, den ich ganz zufällig über eine Google-Suche nach Trinkrucksäcken gefunden hatte. Matt Frazier berichtete dort über seine Erfahrungen als vegetarischer Marathonläufer (inzwischen lebt er vegan). Was ich dort las faszinierte mich, und ich fasste den Entschluss, vier Wochen lang kein Fleisch zu essen, um zu sehen, wie ich mich damit fühlen würde. Das war jedenfalls der Plan.
Was dann aber passierte war, dass ich gleich in den ersten beiden Wochen alles an Informationen aufsaugte, was ich zwischen die Finger bekommen konnte, und so die ziemlich hässliche Wahrheit über den Umgang der Menschen mit sogenannten “Nutztieren” kennenlernte. Ich wollte damit nichts mehr zu tun haben, und deshalb war die logische Konsequenz, keine Produkte mehr zu konsumieren, für die Tiere getötet, gequält oder sonstwie missbraucht werden. Das war ein ziemlich plötzlicher Schritt in ein neues Leben, den ich aber noch keine einzige Sekunde bereut habe.

Hast du durch die Umstellung eine Veränderung in Dir bemerkt? Auf welchen Ebenen hat sich diese abgespielt?
Von körperlichen Veränderungen kann ich nicht berichten – ich habe zwar das Gefühl, mich etwas besser von harten Trainingsläufen und Wettkämpfen zu erholen, aber das lasse ich nicht zählen, weil es nur ein subjektiver Eindruck ist. Deshalb stehe ich dem gegenwärtigen “vegan-macht-dich-unsterblich”-Hype auch ziemlich kritisch gegenüber. Eine ausgewogene vegane Ernährung ist sicherlich gesünder als die westliche Durchschnittskost, aber es gibt auch keinen Grund für die Annahme, vegan sei das ernährungstechnische Nonplusultra.
Die Veränderung auf der psychologischen Ebene hätte hingegen größer nicht sein können. Ich fühle mich heute mehr im Reinen mit mir selbst, weil mein Handeln hinsichtlich des Konsums tierischer Produkte mit meinen Überzeugungen in Einklang steht. Ich denke das ist ein Stressfaktor, der vielen Menschen gar nicht so bewusst ist: dass sie auf der einen Seite unseren Umgang mit bestimmten Tieren nicht gutheißen, ihn auf der anderen Seite aber durch ihr Konsumverhalten unterstützen. Diesen psychologischen Konflikt gibt es natürlich noch in vielen anderen Bereichen, zum Beispiel wenn wir Klamotten aus Kinderarbeits-Ländern kaufen oder unseren Elektroschrott in die dritte Welt schicken, aber bei der Massentierhaltung ist er besonders offensichtlich – und überraschend leicht aufzulösen, denn vegan zu leben ist nicht schwer!

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Umstellung reagiert?
Ich hatte sicher großes Glück, denn meine Freundin Katrin hat sozusagen vom ersten Tag an vegetarisch mit mir gegessen und ist dann auch mit mir zusammen vegan geworden. Meine Familie war zuerst schon überrascht, aber dann auch neugierig und interessiert, als ich über meine Gründe gesprochen habe. Inzwischen essen meine Mutter und meine beiden Schwestern selbst schon seit einem Jahr vegetarisch, und wenn wir bei meinen oder Katrins Eltern zu Besuch sind werden wir jedesmal fürstlich vegan bekocht!

Hast du Tipps für alle Neulinge, die auch vegan leben wollen?
Der wichtigste Tipp ist, nicht ewig drüber nachzudenken, sondern es einfach zu tun. Es ist auf jeden Fall die richtige Entscheidung.
Tipp Nummer zwei ist, es locker und unverkrampft angehen zu lassen. Niemand kann ein hundertprozentig veganes Leben leben, schon gar nicht von heute auf morgen.Und drittens: die besten veganen Genüsse sind häufig die simpelsten. Zum Beispiel eine pure Avocado. Oder eine Banane mit Erdnussbutter. Oder eine Wassermelone.

Welche veganen Gerichte kochst Du regelmäßig? Kochst Du mit Kochbüchern oder eher “freestyle”?
Ich bin ein großer Fan von “One-Pot-Meals”, also Gerichten, bei denen man alle Zutaten in einen einzigen Topf schmeißt. Die schmecken super, man kann sich kreativ austoben und lauter leckere und gesunde Sachen verarbeiten. Außerdem muss man später nur einen Topf schrubben, was natürlich auch ein Pluspunkt ist.
Katrin und ich lassen uns gerne von Kochbüchern und veganen Foodblogs inspirieren, haben aber inzwischen einen ziemlich großen Fundus an Gerichten, die wir jederzeit ohne Rezept zubereiten können. Meine persönlichen Favoriten sind Gemüseeintopf, Pasta mit Brokkoli und Tempeh und asiatische oder auch indische Curries in allen Variationen.

Was war Dein schönstes/seltsamstes/witzigstes Erlebnis in Bezug auf Deine vegane Ernährungs-/Lebensweise?
Oh, schöne Ereignisse gab es eine Menge! Der Tag, an dem Katrin und ich den ersten Artikel auf unserem Blog über vegane Ernährung und Laufsport veröffentlicht haben. Viele, viele neue Freundschaften und Begegnungen. Der erste gelungene vegane Kuchen. Und das schönste ist: es hört nicht auf, sondern wird immer besser!

Wenn Du jemanden vegan bekochen könntest, wer wäre diese Person (gewesen) und was würdest Du für sie kochen?
Außer Katrin gibt es da eigentlich keine bestimmte Person. Ich würde jeden bekochen, der sich ehrlich für veganes Essen interessiert, mir sympathisch ist und vielleicht noch einen leckeren veganen Wein beisteuert. Zum Beispiel mit einem Curry. Als Dessert definitiv selbstgemachtes Bananeneis aus 100% Bananen – was besseres gibt’s nicht. Wer mich mit lahmen Vegetarierwitzen nervt, wird mit frischem Koriander bestraft – einem der wenigen pflanzlichen Lebensmittel, die ich für absolut ungenießbar halte!

Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet  – welche 3 veganen Lebensmittel möchtest Du auf keinen Fall missen?
Das ist einfach: Äpfel, Bananen und Erdnussbutter!

Gibt es irgendetwas, was Dir noch auf dem Herzen liegt und was Du den Lesern des Blogs, egal ob vegan, vegetarisch oder omnivor, mitteilen willst?
Zwei Dinge sogar. Lieber Leser, liebe Leserin, wenn du tierische Lebensmittel isst, iss ab sofort etwas mehr pflanzliche. Wenn du noch keinen Sport treibst, fang heute damit an. Beides wird dich glücklicher und die Welt ein bisschen besser machen.

Vielen Dank nochmal, Daniel, dass Du Dich bereiterklärt hast, bei dem Interview mitzumachen! :-)

 

Vegan wie Du und ich: Linda #6

Hier kommt Interview Nr. 6, diesmal mit der weitgereisten Linda! :-)


Seit wann lebst Du vegan und was war der Auslöser dafür? Gab es einen  Schlüsselmoment oder war es eine Vielzahl von Gründen, die Dich zu diesem Entschluss bewegt haben?
Also ich war schon immer sehr tierlieb, habe aber auch immer sehr gerne Fleisch gegessen. Heute weiß ich, dass das nicht wirklich zusammenpasst. Aber als Kind oder Teenager war mir das nicht so klar. 1995 habe ich den Film „Ein Schweinchen namens Babe“ im Kino gesehen. In diesem Zusammenhang habe ich gelesen, wie leicht Schweine zu erziehen sind, weil sie schlauer als Hunde sind. Sie sind sogar ungefähr so intelligent wie ein dreijähriges Kind. Ich wollte deshalb kein Schweinefleisch mehr essen. Zur gleichen Zeit bekamen wir im Erdkunde-Unterricht einen Beitrag zum Thema Massentierhaltung gezeigt. Das hat mich so schockiert, dass ich insgesamt weniger Fleisch essen wollte.
Ab 1998 habe ich dann gar kein Fleisch mehr gegessen, aber immer noch ab und zu Fisch, vor allem zur Grillsaison. Damit habe ich ein paar Jahre später dann auch aufgehört, nachdem ich erfahren habe, dass durch die industrielle Fischerei schon einige Fischarten vom Aussterben bedroht sind. Außerdem zerstören die großen Schleppnetze den Meeresboden und somit den Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen. Und dann wäre da noch die Sache mit dem unerwünschten Beifang und dass Delphine und Vögel sich in den Netzen verheddern und qualvoll ertrinken.
Das mit dem Veganismus kam dann auch nicht von heute auf morgen, sondern hat sich wie alles andere entwickeln müssen. Man liest etwas hier, man hört etwas dort und dann kauft man sich die Bücher „Tiere essen“ und „Anständig essen“ und recherchiert zusätzlich im Internet. Ich war so geschockt, als ich erfahren habe, was mit den vielen männlichen Küken in der Eierindustrie passiert, weil man sie nicht gebrauchen kann. Und ich war wütend auf mich selbst, weil mir nicht klar gewesen ist, dass die Kuh ein Säugetier ist wie jedes andere auch und nur dann Milch gibt, wenn sie zuvor ein Baby bekommen hat. Es stand für mich nach dieser Erkenntnis direkt fest, dass ich Veganerin werden wollte. Schließlich war ich Vegetarierin, weil für mich keine Tiere sterben sollten. Ich hatte leider nicht realisiert, dass für mich weiterhin viele Küken und Kälber sterben mussten.
Die Entscheidung war also gefallen. Ich wusste nur nicht, ob ich das auch könnte. Denn ich habe schon immer gerne gegessen, vor allem süße Sachen. Aber aus dem Buch „Anständig essen“ habe ich erfahren, dass es auch vegane Schokolade gibt wie z.B. die meisten Zartbitter-Schokis.
Daraufhin habe ich weiter recherchiert und bin so auch auf den Blog Claudigoesvegan.de gestoßen. Da bekommen vor allem Neu-Veganer viele tolle Tipps und mir war Claudi von Anfang an sympathisch, vor allem war sie sehr offen, freundlich und undogmatisch. Ich habe dann erstmal eine vegane Probewoche gemacht, in der ich vor allem viel gebacken habe. Das waren am Anfang noch keine Kunstwerke, aber ich wusste, ich kann so überleben ;)
Ich lebe nun seit dem 15.08.2011 vegan und bereue nichts. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, anders zu leben. Der Veganismus hat mein Leben enorm bereichert, ich schreibe seit März 2012 für meinen eigenen Blog „V“eltenbummler, wo ich mich kreativ ausleben kann und das Schreiben macht mir sehr viel Spaß. Seit April 2012 darf ich auch noch bei Deutschland is(s)t vegan mitmischen. Ich habe durch meine Lebensweise viele tolle neue Menschen kennen gelernt, z.B. bin ich heute mit Claudi sehr gut befreundet.

Hast du durch die Umstellung eine Veränderung in Dir bemerkt? Auf welchen Ebenen hat sich diese abgespielt?
Körperliche Veränderungen habe ich eigentlich gar nicht so direkt gemerkt. Man kann zwar sagen, dass ich mehr Energie habe und mich besser fühle, ich könnte aber nichts Konkretes sagen. Meine Haut ist die gleiche und abgenommen habe ich auch nicht.
An meinem Kochverhalten hat sich allerdings sehr viel geändert. Ich koche täglich frisch, esse insgesamt viel mehr Obst und Gemüse und ich backe auch ungefähr einmal pro Woche. Früher habe ich für meinen Mann ab und zu Fleisch zubereitet, aber das gibt es jetzt nicht mehr bei uns. Er findet das auch gar nicht schlimm, da ihm immer alles schmeckt, was ich ihm vorsetze. Auf Feiern oder unterwegs isst er manchmal Fleisch, aber wirklich nur noch selten. Das ist jedoch seine Sache, ich möchte ihm da nicht reinreden.

Wie hat Dein Umfeld auf Deine Umstellung reagiert?
Das war ganz unterschiedlich. Mein Mann hatte z.B. anfangs Bedenken, dass wir deshalb nicht mehr so flexibel sind, nicht mehr jedes Restaurant besuchen können oder dass wir nicht mehr so einfach in Urlaub fahren können. Aber er wollte mich trotzdem unterstützen. Heute weiß er, dass er immer superleckeres Essen bekommt, wir noch mehr unterwegs sind als früher, und so einige richtig coole Läden würden wir gar nicht kennen, wenn ich nicht vegan leben würde. Obwohl er selbst kein Veganer ist, ist er ein leidenschaftlicher Verfechter dieses Lebensstils und lässt nicht zu, dass jemand etwas dagegen sagt.
Meine Familie hat es am Anfang glaube ich nicht so richtig verstanden, warum ich das machen möchte, aber sie haben trotzdem, wie bei allem, hinter mir gestanden. Mittlerweile haben sie etwas mehr Verständnis dafür, dass ich die Umstände der Herstellung von tierischen Lebensmitteln nicht unterstützen will und kann. Sie sind jetzt besser informiert und bei Familienfeiern gibt es immer reichlich vegane Beilagen, Salate und sogar ein veganes Dessert.
Meine Kollegen haben auch nicht alle gleich reagiert, die einen fanden es von Anfang an toll, dass ich das mache, vielen war es egal und andere haben mich damit geneckt. Aber da ich regelmäßig Cupcakes oder Kuchen mitbringe, konnten sich inzwischen die meisten davon überzeugen, dass vegan auch lecker sein kann und es kommen weniger Kommentare. Unsere Werksstudentin, die leider mittlerweile woanders arbeitet, ist durch mich vegan geworden und wir waren immer ein super Büroteam, haben mittags Matcha Latte zusammen getrunken u.ä. Die Freundin eines Kollegen ist seit letztem Sommer übrigens auch Veganerin und er war eigentlich eher einer derjenigen, die mich damit aufgezogen haben. Da sieht man mal, dass nicht jeder, der doofe Kommentare macht, das auch wirklich böse meint. Er macht mittlerweile bei unseren anderen männlichen Kollegen Werbung für leckere Soja-Schnitzel. So ändern sich die Zeiten. Eine andere Kollegin ist jetzt schon seit über einem Jahr Vegetarierin und oft kocht sie auch vegan und bringt mir was mit und umgekehrt. Sie hat letztens auch vegane Wodka-Red Bull-Cupcakes gebacken und mit ins Büro gebracht. Das Rezept für die Cupcakes findet man hier auf meinem Blog.

Am schwierigsten finde ich es eigentlich im Freundeskreis, da treffe ich am wenigsten auf Verständnis und ich versuche auch eher, das Thema zu meiden. Aber das geht nun mal nicht immer und wer mich kennt, weiß, dass ich auf blöde Sprüche auch immer eine passende Antwort parat habe ;) Dafür habe ich viele neue Freunde gefunden und das ist mir auch sehr viel wert. Zum einen sind das Veganer aus meiner Nähe und zum anderen ein Kollege meines Mannes und seine Frau (die beide wohlgemerkt nicht vegan leben!), die sehr gerne zu uns zum Essen kommen und uns auch immer was Veganes aus dem Urlaub mitbringen.

Hast du Tipps für alle Neulinge, die auch vegan leben wollen?
Es kommt darauf an, ob man vorher schon vegetarisch gelebt hat. Dann ist der Schritt eigentlich nicht mehr so groß, auch noch auf Eier und Milchprodukte zu verzichten. Das größte Problem ist dann wahrscheinlich der Käse, da gibt es mittlerweile aber schon viele tolle pflanzliche Alternativen wie z.B. den Jeezini oder Wilmersburger. Wenn jemand im Moment noch jeden Tag Fleisch isst, dann sieht das alles schon ganz anders aus. Da ist Käse wohl eher zweitrangig. Ich habe den Geschmack von Fleisch auch immer sehr gemocht, deshalb würde ich so jemandem viele vegane Wurstsorten und Fleischersatzprodukte empfehlen. So wird einem der Übergang leichter gemacht finde ich. Es gibt aber auch viele Veganer, die diese Ersatzprodukte nicht mögen.
Es ist auch wichtig, sich gut zu informieren. Zum einen, warum man das alles tut. So können einen andere nicht verunsichern, die versuchen, einen in eine Diskussion zu verwickeln. Man muss sich auch nicht auf jedes Streitgespräch einlassen, aber es fällt einfacher, ruhig zu bleiben, wenn man sich in seiner Sache sicher ist und weiß, dass man das Richtige tut und warum man es tut. Wenn die anderen merken, dass man rundum zufrieden und mit sich im Reinen ist, wird man weniger provoziert.
Zum anderen ist es auch wichtig zu wissen, worauf man achten sollte, um gesund zu bleiben. Das sollten nicht nur Veganer tun, sondern alle Menschen sollten sich um eine gesunde und ausgewogene Ernährung bemühen. Aber als Veganer muss man eben genauer Bescheid wissen, wo man Kalzium, Eisen usw. herbekommt. Und man sollte regelmäßig sein Blut untersuchen lassen.

Welche veganen Gerichte kochst Du regelmäßig? Kochst Du mit Kochbüchern oder eher „freestyle“?
Gemischt. Ich habe sehr viele vegane Kochbücher zu Hause. Aber oft koche ich dann doch nur so, wie ich denke oder wenn ich nach Rezept koche, dann verändere ich es noch mal leicht. Unter der Woche mache ich meistens ganz einfache Gerichte, mein Mann isst z.B. gerne Nudeln mit Pesto oder Tomatensoße (wobei ich das jetzt nicht wirklich als kochen bezeichnen würde) und wir machen auch regelmäßig Döner. Ich ernähre mich aber nicht nur von Nudeln und Döner, das waren nur Beispiele:D Ein bunter Salat ist auch was Feines oder eine einfache Gemüsepfanne mit Couscous oder Reis und man braucht dafür definitiv kein Rezept.

Was war Dein schönstes/seltsamstes/witzigstes Erlebnis in Bezug auf Deine vegane Ernährungs-/Lebensweise?
Ein sehr einprägsames Erlebnis war z.B. mein Abendessen im Burj Al Arab in Dubai. Dort gab es viele vegane arabische Vorspeisen und Obst am Buffet und ansonsten hat man viele tolle Gerichte extra für mich gezaubert. Das war wirklich einmalig. An einem anderen Abend hatten wir ein veganes Candle Light Dinner in einem anderen Restaurant direkt am Strand mit Blick auf die Palme und das nächtlich angeleuchtete Burj Al Arab.

Wenn Du eine Person nach Wunsch vegan bekochen könntest, wer wäre diese Person (gewesen) und was würdest Du für sie kochen?
Da fällt mir auf Anhieb niemand ein, bzw. viel zu viele. Ich mag es nämlich, für Gäste zu kochen und gemeinsam einen schönen Abend zu haben.

Du bist auf einer einsamen Insel gestrandet  - welche 3 veganen Lebensmittel möchtest Du auf keinen Fall missen?
Also auf jeden Fall Bananen und Schokolade. Und süße Getränke wie Cola o.ä. Das klingt jetzt nicht wirklich gesund, ich weiß. Aber ich hätte ja wohl hoffentlich Obst- und Gemüse-Pflanzen auf dieser Insel und dann würde es ja wieder passen ;)
Ein Leben ohne Zucker wäre für mich ein schwierigerer Verzicht als einfach nur tierische Lebensmittel wegzulassen. Das sage ich auch immer zu Leuten, die sagen, sie könnten ja NIEMALS vegan leben. Ich bin auch kein sehr disziplinierter Mensch und meine Standardspruch ist dann wirklich immer: ohne Schokolade wäre viel schlimmer :P Am besten strande ich auf einer Insel mit Bananenpalmen und Kakaobäumen ;)
 

Gibt es irgendetwas, was Dir noch auf dem Herzen liegt und was Du den Lesern des Blogs, egal ob vegan, vegetarisch oder Allesesser, mitteilen willst?
Es ist manchmal schwer nachzuvollziehen, warum nicht alle Menschen vegan oder zumindest vegetarisch leben wollen, wo doch die Fakten alle so eindeutig sind. Darüber darf man nicht verzweifeln und man muss sich einfach bewusst machen, dass man selbst wahrscheinlich auch nicht von heute auf morgen vegan geworden ist. Bei mir war es definitiv eine langjährige Entwicklung, und ich verlange deshalb von anderen Leuten nicht, dass sie die Augen aufmachen und direkt einen Aha-Effekt haben. Wir sind alle mit tierischen Produkten aufgewachsen, und viele Geschmäcker sind uns sehr ans Herz gewachsen und lösen Kindheitserinnerungen aus.
Man muss sich gegenseitig akzeptieren und respektvoll miteinander umgehen. Das ist die Hauptsache. Auch unter Veganern artet es meiner Meinung nach immer mehr aus, dass man sich gegenseitig angreift und einige denken, sie seien bessere Veganer als andere.
Ich meine damit z.B. das Thema Palmöl (das ich keineswegs verharmlosen will), Fair Trade, Fleischersatzprodukte und veganen Käse oder auch gesunde Ernährung, um nur einige zu nennen. Zum Teil wird man verbal angegriffen und manchmal auch beleidigt, nur weil jemand anders eine andere Meinung vertritt. Eine andere Meinung zu haben ist in Ordnung, Kritik offen anzusprechen sogar sehr löblich, aber alles, was darüber hinausgeht, empfinde ich als stark übertrieben, unhöflich und unnötig. Wir müssen uns nicht alle ganz dolle lieb haben, aber Respekt ist nicht zu viel verlangt.
Vielen lieben Dank übrigens, liebe Dominique, dass ich Dir ein paar Fragen beantworten durfte!

Gerne, liebe Linda…und nochmal herzlichen Dank an Dich, dass Du Dir die Zeit für die Beantwortung der Fragen genommen hast! :-)

 

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Warum grün?


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